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Die Sache mit dem „Humankapital“ und der Unternehmenskultur

Oder: Welche Menschen brauche ich in Zeiten der Digitalisierung und welches Umfeld sollte ich ihnen bieten?

Mehr als 20 Jahre ist es her, dass zwei findige amerikanische McKinsey-Berater den Begriff des „War for Talent“ zuerst in die US-Unternehmen und bald darauf in die deutsche Wirtschaft brachten. Gemeint war er als Weckruf an alle Personalmanager deren Unternehmen. Seit dem ist der „Schlachtruf“ aber so oft rauf und runter zitiert worden, dass er gerade mal als Fußnote im Fach Personalwirtschaft noch genügt. In der VUCA-Welt 2018 muss er schlicht Platz machen für den rasanten Wandel und die Digitalisierung unseres Lebens.

Personal vs. Humankapital

Der Autor und Mitbegründer der Zeitschrift brand eins, Wolf Lotter, hat darauf in seinem Leitartikel mutige aber unbequeme Antworten gegeben wie ich finde. Genau genommen stellt er sechs Personalfragen, die einen nachdenken lassen:

  1. Machen Sie mal! – Immer noch führen Personalverantwortliche ihre Mitarbeiter nach dem Motto „Machen Sie mal!“. Doch sie trauen ihrem Personal am Ende nicht und so hört man schon bald von ihnen „Muss man denn alles selber machen!“.
  2. Digitalisierung heißt selber denken! – Was früher „Personal“ (gleich persönlich) genannt wurde, heißt heute „Human Resources“ oder noch schlimmer „Humankapital“. Oft reagieren Unternehmen mit kurzfristigen „Schnappatmungszyklen“ und holen von außen Mitarbeiter genau für die Probleme, die die Digitalisierung zu Tage fördert. Jede Schlüsseltechnologie sei aber nur ein Mittel zum Zweck. Erst der Wissensarbeiter mit eigenem Kopf kann so was wie Identität und damit langfristigen Erfolg schaffen.
  3. Kümmert Euch! – Früher hat es gut funktioniert Arbeit nach Anweisung zu erledigen, selber denken war nicht zwingend notwendig. Also wurde gefragt „Welche Leute brauchen wir in den nächsten fünf, zehn Jahren?“. Man kann aber auch wie ein Wissensarbeiter fragen: „Was wollen wir eigentlich gemeinsam machen – und wo geht’s hin?“.
  4. Wenn sie nur wüssten, was sie wissen! – Jedem Change-Manager wird so ein Satz schon mal über die Lippen gekommen sein. Zu selten schauen die Unternehmen, ob sie die relevanten Leute nicht schon im eigenen Haus finden, fragt auch Thomas J. Dettling, Digital Transformation Manager bei Siemens. Das ist für mich als Personalberater und unsere Branche eine unbequeme Wahrheit. Genau diese Frage aber bereitet erst den Boden auf dem eine innovative Unternehmenskultur wachsen kann, die dann auch für die „neuen Leute da draußen“ richtig interessant wird.
  5. Denkt quer aber nicht bei uns! – Alle wollen Querdenker, aber so richtig können die Unternehmen mit ihnen nichts anfangen. Es ist immer noch wichtiger sich anzupassen. Dieser Widerspruch führt dazu, dass sich zwischen dem Management und den Mitarbeitern eine „Querfront“ bildet. Es wird viel davon versprochen und gesprochen, am Ende passiert aber nichts.
  6. Was wollt Ihr denn? – Wenn es um Talente geht und was sie wirklich wollen, wird viel über „harte“ Themen wie Prozesse, Programmen und Modellen gesprochen. Am Ende – so die Personalberaterin Maike Küper von Detecon – landet alles wieder bei „soften Themen“, etwa wie A kommt mit Führungskraft B persönlich nicht klar.

 

Also, wie mit diesen Freigeistern am besten umgehen?

Wieder Wolf Lotter:

„Dieses Personal muss man persönlich nehmen. Das sind keine Mitarbeiter mehr, sondern Menschen, die etwas gemeinsam unternehmen.“

 

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